     
Interview mit einem Vampirmacher
Roman Polanski
...über die Idee, aus seinem Kultfilm ein Musical zu machen: Mein Film-Drehbuch eignet sich eigentlich sehr gut für ein Musical. Es ist die Art Film, die sich für das Musicaltheater adaptieren lässt. Die Idee zum Bühnen-Musical entstand übrigens schon vor zehn Jahren und stammte ursprünglich von Andrew Braunsberg, dem Mitproduzenten des Films und meinem früheren Partner.
...über die ersten kreativen Schritte: Erst viel später organisierte Andrew Braunsberg ein Treffen mit Rudi Klausnitzer, dem Chef der Vereinigten Bühnen Wien. Infolgedessen wurde ich Michael Kunze vorgestellt und wir begannen mit der Arbeit am Drehbuch. Als er die Liedtexte fertig hatte, fing er an, nach einem Komponisten und den anderen Kreativen - wie Choreographen und Kostümbildner - Ausschau zu halten. Das dauerte [...] zirka vier Jahre.
...über Komponist Jim Steinman: Jim Steinman ist ein sehr talentierter Komponist. Er ist sehr produktiv. Und er kennt sich mit Musicals aus. Er hat engstens mit Andrew Lloyd Webber zusammen gearbeitet. Außerdem war einer der größten Erfolge von Jim Steinman "Bat out of Hell", [...] das von Meat Loaf gesungen [wurde]. Also hat er schon sein Talent in dieser Art von Rock´n´Roll-Musik bewiesen. Wir wollten einen Rock´n´Roll-Touch auch in dieser Show haben, aber gleichermaßen benötigte sie auch ein bisschen den Stil der Oper. Also hat man die richtige Wahl getroffen.
...über seine Arbeit als Regisseur bei TANZ DER VAMPIRE: Ich liebe das Theater und ich liebe die Musik. Ich führe Regie für die Bühne und ich bin eigentlich nur daran interessiert, die Regie für Stücke zu übernehmen, in denen Musik eine wichtige Rolle spielt. Also fing ich erst einmal mit der Oper an. Ich führte Regie für mehrere Opernaufführungen, z.B. "Amadeus". Und auch bei "The Master Class".
...über den parodistischen Aspekt von TANZ DER VAMPIRE: [Die Parodie bezieht sich] nicht auf die Welt der Vampire, weil die ja gar nicht existiert. Es ist eine Parodie auf das Genre, hauptsächlich auf das Kino. Und da vor allem auf Hammer, jene britische Produktionsgesellschaft, die Massen von Vampirfilmen herstellte, mit Christopher Lee usw.
...über die Unterschiede des Musicals zum Kultfilm: [Die Inszenierung] kann nicht mehr eine Parodie auf die Filme sein, nicht mehr das gleiche Märchen, das der Film war. Die Musical-Inszenierung muss eine andere Art von Märchen sein. Auch mussten hier bestimmte Themen ausgebaut werde. Die Charaktere müssen mehr Tiefe haben, können nicht mehr die Trickfilmcharaktere sein, die sie im Film waren. Außerdem muss mehr Psychologie eingebracht werden. Als Themen für die Lieder braucht man irgendeine Art Beziehung zwischen den Figuren. Außerdem gilt es, den ganzen Bogen jeder Figur zu entwickeln.
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